Forsttechnikerverband e.V.

Forsttechniker als Revierleiter im Körperschaftswald in Baden-Württemberg ?!

Derzeit wird das "Gesetz zur Umsetzung der Neuorganisation der Forstverwaltung Baden-Württemberg" erarbeitet. Dabei soll der mittlere Dienst für die Revierleitung im Körperschaftswald gestrichen werden. Wir stehen diesem ablehnend gegenüber und haben selbstverständlich unsere Vorschläge samt Begründung beim MLR eingereicht, mehr Informationen im nachfolgenden Text:

Stellungnahme
zum „Gesetz zur Umsetzung der Neuorganisation der Forstverwaltung Baden-Württemberg“

Die unterstrichenen Zeichen im nachfolgenden Auszug aus dem o.g. Gesetz sind von uns hinzugefügt. Weitere Änderungen/Erweiterungen sind von uns nicht vorgesehen:

Artikel 1 Änderung des Landeswaldgeset
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5. § 21 wird wie folgt gefasst:
§ 21 Sachkundige Bewirtschaftung des Waldes
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(4) .....Satz 2: Zur Leiterin oder zum Leiter eines Forstrevieres im Körperschaftswald kann bestellt werden, wer die Laufbahnbefähigung für den gehobenen technischen Forstdienst nach Maßgabe der Laufbahnordnung MLR, die erfolgreiche Ausbildung und Prüfung zum/zur staatl. gepr. Forsttechniker/-in oder den Erwerb der forsttechnischen Sachkunde nach Maßgabe der Rechtsordnung nach Absatz 5 Nummer 2 nachweist.
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Begründung:

1. Die einjährige Ausbildung zum Forstwart (mittlerer Forstdienst) in Karlsruhe gibt es seit den 1990 er Jahren nicht mehr. Jedoch werden staatl. gepr. Forsttechniker/-innen (kurz: Forsttechniker) kontinuierlich seit 1981 bis heute ausgebildet. Forsttechniker weisen durch die dreijährige Berufsausbildung als Forstwirt/-in, der mindestens einjährigen Berufspraxis und dem zweijährigen Vollzeit-Fachschulstudiim an der Staatl. Technikerschule für Waldwirtschaft in Lohr a.Main eine mindestens sechsjährige Forsterfahrung in Ausbildung und Praxis nach. Es ist nicht nachvollziehbar, diese praktischen Erfahrungswerte nicht zum Wohle des Körperschaftswaldes, aber auch der kommunalen Waldbesitzer zu aktivieren. Mit einer Streichung des mittleren Forstdienst für den Körperschaftswald würde ein großer Verlust für den Wald entstehen.

2. Mit 25 % des Kommunalwaldes von Deutschland gibt es in keinem anderen Bundesland soviel Kommunalwald wie in Baden-Württemberg, nämlich 549 000 ha. Alleine 92 % davon gehört dabei Kommunen, die mehr als 200 ha besitzen und 48 % die mehr als 1.000 ha besitzen. Der Erhalt des mittleren Forstdienst durch Forsttechniker für die Leitung eines Forstrevieres stellt somit für die waldbesitzenden Körperschaften eine Mehrauswahl/Flexibilität an forstlich ausgebildeten Forstpersonal dar.

3. Der Wegfall des mittleren Forstdienstes bedeutet ein Berufsverbot für Forsttechniker im Körperschaftswald in Baden-Württemberg. Durch die Streichung des mittleren Forstdienstes würde eine wichtige Stütze in der Bewirtschaftung der kommunalen Wälder wegfallen. Weiter würde dem Ausbildungsberuf Forstwirt die Durchgängigkeit in den Laufbahnen verwehrt werden. Hier würde dem Ausbildungsberuf Forstwirt eine Aufstiegsmöglichkeit genommen. Forsttechnikern wurde die Möglichkeit eröffnet, in die 3. Qualifikationsebene aufzusteigen.


4. Zahlreiche Forsttechniker kommen aus Baden-Württemberg und möchten sich sehr gerne heimatnah beruflich verwirklichen. Im derzeitigen Forsttechnikerjahrgang 2018/2020 sind es 45 % der Studierenden. Von allen bisher 26 Forsttechnikerjahrgängen stellt Baden-Württemberg als Heimatbundesland die zweitgrößte Gruppe an Forsttechnikern.

5. Die forsttechnische Betriebsleitung vom Körperschaftswald obliegt ohnehin dem höheren Forstdienst, so dass für die Leitung eines Forstrevieres der mittlere Forstdienst mit dem Forsttechniker eine sehr gute Ergänzung darstellt. Und so treffen sich akademisches Wissen und Praxisnähe.


6. Körperschaften mit weniger Waldbesitz können Forsttechniker auch noch für andere, artverwandte Tätigkeiten einsetzen.


7. Einige baden-württembergische Kommunen (wie z.B. Stadt Tuttlingen und Stadt Biberach an der Riß) haben bereits seit Jahren Forsttechniker für die Leitung von Forstrevieren beschäftigt.


8. Zahlreiche bayerische Kommunen (wie z.B. Krumbach, Immenstadt im Allgäu, Amorbach, Lohr a.Main) lassen ihre Wälder bereits seit vielen Jahren von Forsttechnikern bewirtschaften.